Emotionale Unschärfe – Alexithymie als Wahrnehmungsfilter
Emotionen werden in der sozialen Interaktion meist über Mimik gelesen und für selbstverständlich gehalten. Diese Bachelorarbeit setzt dort an, wo diese Selbstverständlichkeit brüchig wird. Ausgangspunkt ist das psychologische Phänomen der Alexithymie, bei dem das Erkennen und Einordnen von Emotionen erschwert ist. Ziel der Arbeit ist es, Unterschiede in der emotionalen Wahrnehmung visuell erfahrbar zu machen, ohne Emotionen zu erklären oder zu bewerten.
Im Zentrum steht ein interaktives 3D-Gesicht, das die Mimik der Betrachtenden in Echtzeit aufnimmt und diese in ihrer Lesbarkeit verändert. Durch gestalterische Mittel wie Reduktion, Verlangsamung und Abstraktion werden emotionale Signale abgeschwächt oder überlagert. Über ein variables System lassen sich unterschiedliche Stufen emotionaler Lesbarkeit durchlaufen, vom klaren Ausdruck bis zur emotionalen Unschärfe. Die Arbeit versteht Gestaltung als vermittelnde Instanz zwischen Wahrnehmung, Empathie und Reflexion und leistet einen Beitrag zur Sichtbarmachung emotionaler Wahrnehmungsunterschiede.