Vom Stigma zur Sichtbarkeit - das Lipödem
Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit dem Krankheitsbild Lipödem und der Frage, wie Gestaltung dazu beitragen kann, ein medizinisch und gesellschaftlich häufig missverstandenes Thema sichtbar, verständlich und respektvoll zu vermitteln. Ausgangspunkt ist die persönliche Betroffenheit der Autorin sowie die Beobachtung, dass Lipödem im öffentlichen Diskurs oft auf Körperform, Gewicht oder Ästhetik reduziert wird und damit Stigmatisierung begünstigt.
Das Projekt besteht aus zwei Büchern, die inhaltlich und gestalterisch aufeinander aufbauen. Das erste Buch nähert sich dem Thema aus medizinischer, gesellschaftlicher und persönlicher Perspektive. Es führt von einer sachlichen Einordnung über kollektive Erfahrungen hin zu individuellen Stimmen und endet in einem bewusst offenen Freiraum. Das zweite Buch reflektiert diesen Prozess gestalterisch und untersucht, wie Typografie, Bildsprache, Dramaturgie und Materialität eingesetzt werden können, um Empathie zu erzeugen, ohne zu dramatisieren, und Wissen zu vermitteln, ohne zu vereinfachen.
Zentrale gestalterische Mittel sind eine sich verändernde Typografie, abstrahierte Bildmetaphern sowie der bewusste Verzicht auf klassische Körperdarstellungen. Gestaltung wird dabei nicht als dekoratives Element verstanden, sondern als Haltung und vermittelnde Instanz zwischen Wissen, Wahrnehmung und Erleben. Die Arbeit versteht sich als Beitrag zur Entstigmatisierung des Lipödems und als Beispiel dafür, wie Design komplexe, sensible Themen zugänglich machen kann, ohne sie festzuschreiben oder zu bewerten.