Gefühlte Wahrheiten – die Verantwortung der Medien in einer postfaktischen Gesellschaft

Die Arbeit untersucht, warum sich falsche Informationen oft richtiger anfühlen als wissenschaftlich belegte Fakten – und welche Rolle Medien dabei spielen. Ausgangspunkt ist die Frage, wie subjektive Wahrnehmung, Intuition und emotionale Dynamiken mit medialen Wirkmechanismen zusammenwirken und so »gefühlte Wahrheiten« entstehen lassen. Dazu beleuchtet die Arbeit sowohl philosophische und psychologische Grundlagen von Wahrheit und Wahrnehmung als auch Strukturen des Mediensystems: Gatekeeper-Funktionen, Aufmerksamkeitsökonomie, algorithmische Kuration, den Einfluss generativer KI und gezielte Manipulation. Im Fokus steht die besondere Verantwortung von Medienschaffenden als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit – und die Gefahr, wenn Aufmerksamkeitsfaktoren, Effekthascherei und Desinformation den öffentlichen Diskurs dominieren. Im praktischen Teil entwickelt die Arbeit ein interaktives Informationsdesign-Projekt, das Entstehungsfaktoren gefühlter Wahrheiten spielerisch visualisiert und auf diese Weise Mediennutzer für Wahrnehmungsverzerrungen sensibilisiert und dadurch zeigt, wie verantwortungsvolles Mediendesign selbst zur Reduktion von Desinformation und »gefühlter Wahrheiten« beitragen kann. Die Projektarbeit umfasst dabei interaktive Elemente, die dem Betrachter mittels Perspektiv- und Farbfilter-Effekte das Prinzip der Wahrnehmungsverzerrung erlebbar machen.